Rhetorik und Ästhetik postulieren affektive und ästhetische Wirkungen von Äußerungen/Texten in Abhängigkeit von bestimmten Elaborierungen (Tropen, Figuren) sowie von Semantik, Syntax, Phonetik und Prosodie des Sprechens/Schreibens. Diese Wirkungen sind bislang nur zu einem verschwindenden Teil empirisch untersucht worden. Das Projekt unternimmt es, durch gezielte Modifikation rhetorischer, ästhetischer und gattungsrelevanter Merkmale von Texten deren Wirkungen sowohl in behavioralen rating-Studien als auch in neuropsychologischen Messungen zu untersuchen.
Das Projekt integriert rhetorische Theorie, rhetorische Einzelanalyse und Variation, empirische Erhebung von Selbstauskünften und neurowissenschaftliche Messungen an Probanden und möchte damit ein neues multimethodales Modell rhetorisch-psycholinguistisch-neurowissenschaftlicher Forschung vorstellen.
In einer ersten Projektlinie werden affektiv und ästhetisch wirksame Eigenschaften von Texten (1) in Einzelsätzen (anhand von Sentenzen) und (2) in zusammenhängenden politischen Reden untersucht. Durch systematisches Entfernen und Variieren formaler rhetorischer Merkmale (z.B. Homophonien, Anaphern, Metrum) unter weitestgehender Wahrung der Semantik wird ein Material erstellt, auf dessen Basis wir Effekte sprachlicher Figuralität experimentell messen können.
Eine zweite Projektlinie untersucht den Einfluss textäußerer Informationen auf die Verarbeitung kurzer erzählender und beschreibender Texte. Wir stellen die Frage, ob Informationen über die Faktualität oder Fiktionalität eines Textes den Leser beeinflussen, noch bevor er mit der Lektüre beginnt, und untersuchen die Effekte entsprechender „Rezeptionsverträge“ zwischen Autor und Leser auf affektive und ästhetische Prozesse beim Lesen mit Hilfe eines speziell zu diesem Zweck entwickelten Paradigmas.
Projektleitung
Projektmitarbeiter
Studentische Hilfskräfte
Forschungspraktikum
Studierende, die Interesse an einem Forschungspraktikum mit experimentellem Schwerpunkt im Projekt "Affektive und ästhetische Prozesse beim Lesen" haben, können sich jederzeit gerne bei isabel.bohrn[at]fu-berlin.de oder ulrike.altmann[at]fu-berlin.de melden.
Projektprofil
Area
Publikationen
(2011). Wie wohl ist dem, der dann und wann sich etwas Schönes dichten kann - Affektive Effekte von Reim und Metrum am Beispiel W. Busch. Tagung experimentell arbeitender Psychologen (TeaP; Halle). Halle. Tagung experimentell arbeitender Psychologen (TeaP; Halle)
(2010). Was der Leser nicht kennt, frisst er nicht? - Eine fMRT-Studie zu formelhafter Sprache. Tagung experimentell arbeitender Psychologen (TeaP; Saarbrücken). Saarbrücken. Tagung experimentell arbeitender Psychologen (TeaP; Saarbrücken)


