Indem Aristoteles die Tragödie in ihrer Wirkung als Katharsis (Reinigung) der tragischen Emotionen (Furcht und Mitleid) fasst, sorgt er für eine bis heute anhaltende Diskussion. Jacob Bernays bricht in seiner philologischen Schrift "Grundzüge der verlorenen Abhandlung des Aristoteles über Wirkung der Tragödie" (1857) mit der moralischen (Lessing) und ästhetischen (Goethe) Katharsis-Tradition. Er bringt stattdessen die "Sollicitation", d. h. die gezielte Erregung und "Entladung" der Emotionen, in die Diskussion.


Josef Breuer und Sigmund Freud folgen diesem Impuls, wenn sie in den "Studien über Hysterie" (1895) ihre Hysterietherapie als "kathartische Methode" bezeichnen; auch Friedrich Nietzsche rekurriert seit der "Geburt der Tragödie" (1872) auf Bernays und stellt die kathartische "Entladung" in den Dienst des gesteigerten Lebens.


Im Zentrum des Projekts steht die Neubestimmung und Entgrenzung des Begriffs, der nicht mehr nur in den klassischen Feldern der Poetik und Ethik, Religion und Politik diskutiert wird, sondern auch in der Medizin und Psychologie wie in der Ästhetik und Kulturtheorie. Mit Bernays wird Katharsis zu einem Schlüsselbegriff der Konzeption immer neuer "Languages of Emotion".

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Publikationen

Vöhler, M., Linck, D. (Eds.) (2009). Grenzen der Katharsis in den modernen Künsten. Zur Rezeption des Katharsistheorems seit Jacob Bernays. Berlin/New York: de Gruyter.
Vöhler, M., Malinar, A. (Eds.) (2009). Un/reinheit: Konzepte und Praktiken im Kulturvergleich. München: Fink.