Im Projekt soll vor allem diejenige Dimension in den Blick genommen werden, die für das Ereignis Oper als „Kraftwerk der Gefühle“ (Alexander Kluge), als Ort der Produktion und Übertragung von Gefühlen grundlegend ist: die Wirkung der Sängerdarsteller/innen in ihrer Präsenz, ihrer Virtuosität und ihrem Darstellungsvermögen.
Im Fokus steht dabei das Verhältnis von Planung (Strategien, Notationen, Anweisungen zu Affektrepräsentation und -evozierung vor dem Hintergrund kultureller Codes und Regelsysteme) und Unplanbarem (Aufführungssituation) in der Szene der Affektübertragung, das Zusammenwirken von auditiven (Stimme) und visuellen Möglichkeiten (Gesten) der Sängerdarsteller/innen sowie die wechselseitige Beeinflussung von theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Affektbegriff, dem physiologisch-medizinischen Wissen vom Körper und der Aufführungsdimension von Oper im 19. Jahrhundert.
Diesem Zusammenhang von Wissen über den Körper und ästhetischer Codierung soll insbesondere vor dem Hintergrund der historischen und kulturellen Variabilität von Affektmodellierungen und Gefühlscodes nachgegangen werden. Das Projekt nimmt folglich mit der Oper das künstlerische System in den Blick, das in ganz prominenter Weise an den Wandlungen der Affektmodellierungen partizipiert und diese mitbestimmt und das innerhalb der künstlerischen Szenarien als bevorzugter und wirkmächtigster Ort für die Emotionskultur des 19. Jahrhunderts angesehen werden kann.


