Wie haben internationale Zeugen, die sich zwischen 1933 und 1945 in Deutschland aufhielten, die totalitäre Diktatur erlebt? Wie beschreiben sie ihre Erfahrungen in zeitgenössischen Aufzeichnungen? Welcher rhetorischen Verfahren bedienen sie sich? Welche Implikationen haben die Poetiken ihrer Texte? Inwiefern sind Tagebücher als Protokolle (halb-)bewusster Selbstversuche lesbar? Welche Affekte beobachten die Autoren an sich selbst? Wie werden etwa Faszination, Abscheu, massenpsychologische Teilhabe, Erotik oder Scham registriert? Welche selbstdiagnostischen und selbstregulativen Funktionen hat das reiseliterarische und autobiographische Schreiben? Inwiefern ist der 'fremde Blick' nicht-deutscher Beobachter spezifisch? Was erfahren wir über Erfahrungen, Wahrnehmungen und Erkenntnisse im Hinblick auf die Diktatur?
Diese und weitere Fragen stellt die Studie an zeitgenössische Zeugnisse ausländischer Autoren aus dem nationalsozialistischen Deutschland - darunter Albert Camus, Max Frisch, Virginia Woolf, Jean Genet, Samuel Beckett, Karen Blixen und Sven Hedin, Louis-Ferdinand Céline oder auch John F. Kennedy. In Vorarbeiten wurde umfangreiches Material erschlossen, das bislang in zwei Auswahl-Publikationen vorliegt: Reisen ins Reich, 1933-1945 (Frankfurt 2004) und Berichte aus der Abwurfzone, 1939-1945 (Frankfurt 2007).
Projektprofil
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Publikationen
(2011). Fremder Blick, blinder Fleck. Debatte und Historiographie am Beispiel des Bombenkrieges. Colin, N., Lorenz, M., Umlauf, J. (Eds.). Täter und Tabu. Grenzen der Toleranz in deutschen und niederländischen Geschichtsdebatten. 89-103. Essen: Klartext.
(2010). Faschimus im Selbstversuch. Rhetorik und Psychologie bei Virginia Woolf. Orbis Litterarum 65 (3). 222 - 253.


