Das Projekt geht davon aus, dass neben ökonomischen Faktoren dem öffentlichen Diskurs eine eigenständige Erklärungskraft für die Entwicklung der aktuellen Finanzkrise zukommt. Wir interessieren uns vor allem für drei Elemente, die wir als maßgeblich für das Framing ökonomischer Entscheidungen vor allem der privaten Haushalte ansehen: die Zuschreibung von Verantwortung für die Ursachen der Krise, die Benennung der durch sie hervorgerufenen Emotionen sowie die interpretativ wie affektiv wirksamen Sprachbilder, in denen sie dargestellt wird.
Wir fragen, welche Rolle Emotionen im Diskurs zur Wirtschaftskrise spielen, insbesondere in der massenmedialen Berichterstattung und in den Aussagen politischer Schlüsselakteure, die wir aufgrund ihrer besonderen Motivlage als Kontrastfolie in die Analyse einbeziehen. Allgemein formuliert: Wie werden ökonomische Krisen emotional konstruiert? Welche Emotionen werden angesprochen und welche emotionsrelevanten Deutungsmuster transportiert? Haben diese im zeitlichen Verlauf eine bestimmte Sequenz (etwa von Angst zu Wut übergehend)? Und in welchem Zusammenhang stehen sie zu volkswirtschaftlichen Indikatoren, beispielsweise zu Konsumklima, Sparquote, Börsen-Indices und Arbeitslosenzahlen?


