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01.03.2011  Allgemein

Der Eyetracker unter dem Mangetti-Baum

Evolutionspsychologin Katja Liebal war mit einem Forscherteam in Namibia

Blickbewegungsmesser mit Probandin im Schatten eines Mangetti-Baums. Foto: Katja Liebal/Daniel Haun

Blickbewegungsmesser mit Probandin im Schatten eines Mangetti-Baums. Foto: Katja Liebal/Daniel Haun

Katja Liebal, Professorin für Evolutionäre Psychologie am Cluster, forschte in einem interdisziplinären Team aus Psychologen, Linguisten und Biologen im November 2010 für drei Wochen bei den ≠Akhoe Hai||om, einer Jäger-Sammler-Gruppe, im Norden Namibias. Diese sprechen eine nur noch sehr seltene Klicklaut-Sprache der Khoisan-Sprachfamilie mit 4 verschiedenen Klicklauten, mit denen ca. 70 Prozent ihrer Wörter beginnen. Die Zeichen im Namen ≠Akhoe Hai||om stehen für diese Laute. In ihrer Umwelt orientieren sie sich nicht wie z.B. Deutsche durch Richtungsangaben wie links oder rechts, sondern anhand der Himmelsrichtungen.

Der Linguist Christian Rapold (Universität Leiden) beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Dokumentation dieser bedrohten Sprache. In den 1990er Jahren hatte Thomas Widlok den Kontakt zu diesem Stamm hergestellt, der heute auf staatlichem Farmgelände, der Farm 6, lebt. Zum Forscherteam in diesem Jahr gehörten auch Daniel Haun (MPI für Psycholinguistik Nijmegen, MPI für Evolutionäre Anthropologie) und Forschungsassistentin Antje Girndt, die ebenfalls Mitglied der Forschungsgruppe ROSI (Evolutionary Roots Of Human Social Interaction) ist.

Eine der Studien, die Katja Liebal dort durchgeführt hat, ist Teil des gemeinsam mit Isabel Wartenburger von Universität Potsdam geleiteten Projekts: "Emotion und Sprachverarbeitung über die Lebensspanne", dem auch Silke Telkemeyer und Carla Pritsch angehören. Die Fragestellung der Studie war: Gibt es einen Negativ-Bias, d.h. werden Gesichtsausdrücke negativer Emotionen, wie z.B. Angst, schneller erkannt und falls ja, ist dies ein menschliches Universal? Verändert sich diese Wahrnehmung im Verlauf des Lebens?

Wie man im afrikanischen Buschland in großer Hitze ohne Strom mit einem Blickbewegungsmesser Schulkinder testen kann und warum der Maisbrei in der Schulküche so wichtig ist, erzählt diese Bildergalerie

 

Für die Studien im Feld wurde ein eyetracker der Firma "tobii" verwandt.


Literatur:


Widlok, T. (1999). Living on mangetti: 'Bushman' autonomy and Namibian independence. Oxford/New York: Oxford University Press.

Haun, D., Rapold, C. J., Janzen, G., & Levinson, S. C. (2011). Plasticity of human spatial cognition: Spatial language and cognition covary across cultures. Cognition.

Vaish, A., Grossmann, T., & Woodward, A. (2008). Not all emotions are created equal: The negativity bias in social-emotional development. Psychological Bulletin, 134(3), 383.

 

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