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29.09.2010  Allgemein

Klar, ein Teppich hat auch Gefühle!

Bei der Kinderuni konnten Grundschüler Emotionsforschung kennenlernen

In einem psychologischen Spiel erklären die Kinder – unterstützt von einem Testleiter – einem Außerirdischen wie Menschen fühlen. Foto: Nina Diezemann/LoE

Im "Labor der Gefühle" wird konzentriert gearbeitet. Zehn Zweitklässler sitzen hinter schwarzen Laptops, neben sich ein buntes Spielbrett. Einige haben Kopfhörer auf dem Kopf und lauschen, andere flüstern mit ihrem Testleiter oder drehen an einer der beiden Spielfiguren auf dem bunten Feld. Eine davon ist ein kleines Marsmännchen in gelb und rot mit dem Namen Emotico. Ihm sollen die Sechs- bis Achtjährigen erklären, wie wir Menschen auf der Erde fühlen. Mit diesem Spiel können Psychologen testen, was Kinder über Gefühle wissen und wie sie darüber sprechen. Außerdem verbessern die Kinder bereits durch das Spielen ihre emotionale Kompetenz.

Lust auf Wissenschaft wecken

Das Spiel ist eine Entwicklung des Projekts "Lesen und emotionale Kompetenzen" des Clusters "Languages of Emotion". Ausgedacht hat es sich Irina Rosa Kumschick, die, bevor sie als Psychologin in die Wissenschaft ging, als Grundschullehrerin und Theaterpädagogin gearbeitet hat. Bevor die Kinder das Spiel durchlaufen haben sie in einem "neurowissenschaftlichen Parcours" etwas über die Geräte erfahren, mit denen Emotionsforscher dem Gehirn beim Fühlen zuschauen. Denn Ziel der Kinderuniversität, die die Freie Universität Berlin seit sieben Jahren zu Beginn des Schuljahres anbietet, ist es, kindgerechte Einblicke in Forschung zu ermöglichen und so Begeisterung für Wissenschaft zu wecken. Große Vorlesungen gibt es in Dahlem nicht, dafür Mitmachkurse, in denen die Kinder mit ihren Klassenkameraden viel ausprobieren können.

So auch im "neurowissenschaftlichen Parcours". Eine Gruppe von Kindern puzzelt ein Gehirn zusammen. In einer anderen darf eine NIRS-Haube aufprobiert werden. Diese misst Hirnströme und kommt in der Emotionsforschung gerade bei Kindern zum Einsatz, da es schwer ist, diese zappeligen Probanden im fMRT-Gerät, einem Kernspintomographen zum Stillhalten zu bewegen.

Gefühle sind manchmal sehr laut

Im Mitmach-Kurs von Judith Levy, die im Projekt "Sprachliche und emotionale Kompetenzen" normalerweise erforscht, wie emotionale Anteile und das Sprachverstehen zusammenhängen, geht es lautstark zu. Die Kinder jubeln, ballen die Fäuste oder heulen auf um zu zeigen, wie der Körper bei Freude, Wut oder Trauer reagiert. Auch Mimik finden die Grundschüler spannend: Grimassen schneiden, Gesichter malen – so werden Emotionen für sie anschaulich.

Das Reden über Emotionen ist für die Kinder erst einmal sehr abstrakt und Gefühle sind für sie spontan vor allem etwas, was man empfindet, wie es einem nicht so gut geht: "Traurig", "sauer", "wütend" nannten die Kinder am Anfang der Stunde oft oder "müde" und "Hunger.

Als Kursleiterin Judith Levy fragt, wer denn alles Gefühle haben könne, bekommt sie eine überraschende Antwort. Die Kinder sind sich einig: Menschen, Tiere und Pflanzen können Gefühle haben. "Aber der Teppich", meint Judith Levy, "der hat doch auch keine Schmerzen, wenn ihr auf ihm herumhüpft." Die Schüler widersprechen empört: "Klar hat der Teppich Gefühle!"

Beitrag zur Emotionsforschung

Im "Labor der Gefühle" sitzt inzwischen eine Gruppe Viertklässler aus der Grundschule Wuhlheide vom anderen Ende der Stadt. Auch sie sind ganz begeistert vom Spiel. Am liebsten würden sie gerne so ein Marsmännchen wie Emotico mit zurück in ihre Klasse nehmen. Doch das geht leider nicht, denn das Spiel ist ja noch in der Entwicklungsphase. Dazu, dass es bald als Testinstrument auch anderen Psychologen zur Verfügung steht, haben die Grundschüler durch ihr Mitmachen nun selbst beigetragen.

Ein "neurowissenschaftlicher Parcours" zeigte den Kindern, wie Emotionsforscher Gefühle im Gehirn anschauen können – z.B. mit einer NIRS-Haube. Foto: Nina Diezemann/LoE

Spielerisch lernten die Kinder, wie ein Gehirn aussieht und was das mit den Gefühlen zu tun hat. Foto: Nina Diezemann/LoE

Emotico – die Figur des kleinen Außerirdischen, der nichts von den Gefühlen weiß – hätten einige Schüler gerne mit zurück in ihre Klasse genommen. Foto: Nina Diezemann/LoE

 

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