Ausgehend von dem dominanten angstlosen Helden der mittelalterlichen Erzählliteratur untersucht das Projekt, inwiefern sich die Angstdarstellungen gegen diese Voraussetzung als ebenso nachhaltiges wie subtiles Prinzip der Figurensteuerung erweisen, das einerseits die anthropologisch geprägten Angstszenarien der Zeit auffängt und neucodiert, andererseits – keineswegs im stringenten Procedere, insgesamt aber zunehmend – in den impliziten Rezeptionsanweisungen für den Hörer/Leser zu einem Medium der Einübung von Angstgefühlen, Angst-haben-dürfen, Angstbewältigung wird.

Über Untersuchungen der historischen Semantik, Funktionsanalysen auf der Ebene der Figurenzeichnung sowie über eine kulturwissenschaftlich orientierte Reflexion in Auseinandersetzung mit der theologisch-philosophischen Affektenlehre des Mittelalters ebenso wie mit den Ansätzen der modernen kognitiven Emotionstheorie werden die Voraussetzungen und narrativen Konstituenten der jeweiligen Angstsemantik und -inszenierung im literarhistorischen Prozess einer Gattung an ausgewählten deutschsprachigen Beispielen vom 12. bis zum 16. Jahrhundert verfolgt.

Ziel innerhalb des Clusters ist es, vom literarischen Paradigma aus die Relation zwischen sprachlicher Modifikation und Emotionstransformation in historischer Perspektive in den Blick zu rücken und damit aufzuzeigen, inwiefern durch sprachlich-literarische Modifikationen selbst starr erscheinende kulturelle Emotionsmuster aufgebrochen und 'überholt' werden können.

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Gerok-Reiter, A. (2010). angest/vorhte – literarisch. Möglichkeiten und Grenzen der Emotionsforschung zwischen Text und Kontext. Zeitschrift für Kulturwissenschaft 2. Themenheft "Emotionen"

 

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