Den Ausgangspunkt unserer Untersuchung bildet die Beobachtung einer zunehmenden Erfahrungsorientierung und Emotionalisierung der Religion, die besonders deutlich innerhalb neuer christlicher Bewegungen in Erscheinung tritt. Davon ausgehend werden jüngere Gemeinden, die eine pfingstlerische, evangelikale oder charismatische Prägung aufweisen, mit eher konventionell ausgerichteten Gemeinden der evangelischen Landeskirche und der römisch-katholischen Kirche verglichen.
Im Fokus steht dabei erstens die Performanz des Emotionalen, das heißt sprachliche, gestische, mimische, gesangliche und tänzerische Ausdrucksformen von Emotionen im Kontext religiöser Erfahrung. Zweitens geht es um die Bedeutungen, die diesen Ausdrucksformen von den Gläubigen zugeschrieben werden und um die dabei angewandten Gefühlsregeln, die sozial erwünschte von unerwünschten Emotionen unterscheiden. Drittens soll durch die Einbeziehung bestehender Studien die Frage geklärt werden, ob zwischen der spezifischen Art des Umgangs mit Emotionen einer christlichen Gemeinschaft, ihrem emotionalen Stil also, und dem gesellschaftlichen Milieu, aus dem sie sich hauptsächlich rekrutiert, ein Zusammenhang besteht.
Die Studie stützt sich sowohl auf videoanalytische Verfahren, die den Zugang zur Performanz des Emotionalen bilden, als auch auf Interviewdaten, die ergänzend Aufschluss über die Bedeutungszuschreibungen und Gefühlsregeln geben.


