In meinem Dissertationsprojekt möchte ich mich mit der philosophischen Problematik der emotionalen Expressivität reiner Musik - Musik ohne Beiträge von Film, Text oder Tanz - auseinander setzen.


Zunächst sollen in einem propädeutischen Schritt die verschiedenen in der Literatur vorgeschlagenen Möglichkeiten der Beziehung zwischen Musik und Emotionen (musikalische Werke besitzen Emotionen, repräsentieren sie, drücken sie aus - symbolisch oder ikonisch -, evozieren sie, exemplifizieren sie) erörtert werden. Dabei soll ein klar definierter begrifflicher Rahmen für die Dissertation erarbeitet werden.


Erstes Hauptziel der Dissertation ist eine Systematisierung und kritische Würdigung der wichtigsten Theorien musikalischer Expressivität, wie sie in der analytischen Musikphilosophie der letzten 30 Jahre diskutiert wurden. Ich argumentiere, dass selbst neuere Ansätze (dazu zähle ich unter anderem die Theorien von Peacocke, Ridley und Scruton) Kernfragen musikalischer Expressivität weiterhin unbeantwortet lassen.


Zweites Hauptziel der Arbeit ist deswegen die Entwicklung einer eigenen integrativen Theorie der musikalischen Expressivität. Meine Hypothese lautet, dass zahlreiche Aspekte unserer Rezeption musikalischer Werke zusammen musikalische Expressivität konstituieren, namentlich musikalische Metaphorizität, das Vorstellungsvermögen der Hörer, musikalische Symbole, ikonischer Ausdruck und Evokation.


In der integrativen Theorie sollen darüber hinaus drei neue Perspektiven auf die Problematik der musikalischen Expressivität geworfen werden: (1) Es soll nicht nur reflektiert werden, inwiefern Musik Emotionen enthalten kann, sondern auch, inwiefern eine gegenstandslose Kunstform wie die (reine) Musik Emotionen prägen oder formen kann. (2) Es soll geprüft werden, ob und wie sich allenfalls in der Musik intentionale Objekte in nicht propositionaler Form festschreiben lassen. (3) Ich möchte untersuchen, inwiefern Ähnlichkeiten zwischen der Phänomenologie von Emotionen und musikalischen Verläufen musikalische Expressivität begründen können.

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