Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie individuelle Verlusterfahrungen, die Erfahrungen von Terror und Gewalt und die damit verbundenen Emotionen wie Trauer, Wut, und Angst im politischen Prozess von sozialen Bewegungen aufgegriffen und in politische Handlungen transformiert werden.
Dies wird am Beispiel der israelischen Gesellschaft untersucht. Durch den anhaltenden Konfliktzustand ist die Erinnerung an militärische wie zivile Gefallene ein zentrales Thema der politischen Kultur Israels. Zugleich werden die Erinnerung an die Opfer von Gewalt und die damit evozierten Emotionen von sozialen Bewegungen politisch moduliert und zur Mobilisierung wie Legitimierung von Protestaktivitäten genutzt. Das Projekt will untersuchen, welche interpretativen Schemata und Codierungen von Emotionen soziale Bewegungen bereitstellen. Wie modulieren Bewegungen Emotionen im politischen Prozess? Welche Emotionen und Ausdrucksformen werden legitimiert?
Dementsprechend soll das Zusammenspiel von Deutungsangeboten, emotionalem Erleben und (emotionaler) Motivationsbildung untersucht werden. Durch den Vergleich zweier unterschiedlicher Bewegungen – der säkularen Friedensbewegung einerseits und der religiösen Siedlerbewegung andererseits, soll zudem gezeigt werden, dass politische Kulturen wie Emotionskulturen keineswegs homogen sind, sondern gruppenspezifische Codierungen einzelner Emotionen existieren.


