Der Fokus unseres Projektes richtet sich auf Affektivität, wie sie in Erzählungen in Alltagsgesprächen sichtbar wird. Untersucht wird (a) wie vom Sprecher verbale, prosodische und visuelle Hinweise eingesetzt werden, um für den Rezipienten bestimmte Affekte im jeweiligen Kontext verständlich zu machen, und (b) wie der Rezipient darauf reagiert, oder allgemeiner, wie die dargestellten Affekte im weiteren Gesprächsverlauf bearbeitet und "gemanagt" werden.
Datenbasis unseres Projekts sind audio-visuelle Aufnahmen von natürlichen Interaktionen, die transkribiert und auf der Mikroebene analysiert werden. Das Ziel der Untersuchung ist es, eine 'interaktionale Grammatik' der Darstellung von Affektivität und des Affektmanagements in der Interaktion aufzudecken.
Die eingesetzten Methoden entstammen der Konversationsanalyse, der interaktionalen Linguistik und der Multimodalitätsforschung. Analysiert wird insbesondere, wie folgende Mittel eingesetzt werden:
- rhetorische, lexiko-semantische, syntaktische und phonetisch-phonologische Mittel; z.B. Haj: <<len>´`HOLla.>
- prosodische Mittel (einschlieβlich Stimmqualität) (siehe Abb. 1)
- visuelle Mittel wie Körperhaltung und deren Veränderungen, Kopfbewegungen, Handbewegungen, Blickverhalten und Mimik (siehe Abb. 2)
Unsere Analysen zeigen, wie Affektivität dynamisch in Interaktionen erkennbar gemacht und bearbeitet wird. Es wird klar, dass Affektivität nicht nur ein somatisches und/oder kognitives Phänomen des Individuums ist, sondern ganz wesentlich auch ein interaktionales Phänomen, das von den Interaktionspartnern im Gespräch gemeinsam hergestellt und ausgehandelt wird. Eine solche Analyse trägt zur allgemeinen Modellierung der "Sprachen der Emotion" bei.



