Das Projekt will Aufschluss über die Wahrnehmung des International Criminal Tribunal for former Yugoslavia (ICTY) in Bosnien, Kroatien und Serbien liefern. Ausgehend von der doppelten Zielsetzung des Vorhabens, einen Beitrag zur Emotionsforschung zu leisten und politikrelevante Ergebnisse über die spezifische Wirksamkeit der juristischen Aufarbeitung von Kriegsverbrechen in den betroffenen Ländern zu erbringen, sollen in der geplanten Forschung handlungstheoretische Überlegungen mit soziologischen, kulturwissenschaftlichen und psychologischen Ansätzen zu einem interdisziplinären Vorgehen kombiniert werden.
Erstmals soll versucht werden, die Verbindung von kollektiver Gewalt und Legitimität mit Fragen der Emotionsforschung systematisch zu erforschen. Zu diesem Zweck wird auf erprobtes Methodeninventar aus bereits abgeschlossenen Studien zurückgegriffen, mit dem Gruppendiskussionen u.a. in den von Kriegen betroffenen Ländern durchgeführt und ausgewertet wurden.
Zugleich ist für das Vorhaben der Zusammenhang von sozialen und kulturellen Dimensionen der Affektmodulierung von Bedeutung, das Verständnis des Zusammenwirkens von Kognition und Emotion bei der Aufarbeitung von Bürgerkriegen ein zentrales Anliegen. Daran schließt auch die wichtige Frage, inwiefern das ICTY in seinem Zuschnitt in der Lage ist, Feindbilder und Ressentiments abzubauen, Gerechtigkeit und nachhaltigen Frieden in den betroffenen Ländern zu implementieren.
Interview mit Natalija Basic in der FU-Beilage des Tagesspiegels (13.2.2010)


