Im Gegensatz zu Descartes’ Dualismus von Geist und Körper, postulieren moderne Konzepte komplexe multidirektionale Beziehungen zwischen Emotionen, Denken und körperlichen Empfindungen. Trotz wachsenden Wissens um solche Zusammenhänge, ist das derzeitige Verständnis von Interaffektivität bruchstückhaft, da Kenntnisse aus verschiedenen Disziplinen nicht integriert sind. In der Nachwuchsforschergruppe soll daher im Rahmen von drei Teilprojekten der Versuch unternommen werden, divergierende Linien der Erforschung von Interaffektivität in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Psychologie und den Neurowissenschaften zusammenzuführen.
Dafür werden zum einen modulatorische Einflüsse von individuellen Emotionsmechanismen wie der Emotionsregulation, dem Selbst-Fremd-Bewusstsein oder dem eigenen Emotionsausdruck auf Interaffektivität untersucht. Des weiteren werden Zusammenhänge zwischen körperlichen Zuständen und künstlerischem Wirken, wie sie durch Tanz und Musik angestoßen werden, und dem Phänomen der Interaffektivität charakterisiert. Drittens wird untersucht, inwiefern Gruppenparameter ¬– wie gemeinsame Ziele, Kohäsion und Eigen-Fremdgruppenbewertungen – Emotionen im zwischenmenschlichen Kontext beeinflussen. Langfristig will die Forschung der Gruppe einen Beitrag zur Entwicklung ganzheitlicher Ansätze zur Förderung interaffektiver Kompetenzen bei Menschen mit Autismus und Persönlichkeitsstörungen leisten.


