Area C: Individuen
Die Bedingungen und Störungen von emotionalen Kompetenzen sowie die Möglichkeiten zu deren Förderung sind Gegenstand von Forschungsbereich C. Emotionale Kompetenzen werden als entwicklungsabhängige und entwicklungsfähige Eigenschaften verstanden, die in Lernprozessen oder – im Falle pathologischer Störungsbilder – in Therapien verbessert werden können. Dazu zählen die Fähigkeit eigene und fremde Emotionen zu erkennen, sie verbal, mimisch und gestisch auszudrücken, sowie die Fähigkeit zur situationsadaptiven Emotionsregulierung und zur Empathie.
Diese interagierenden emotionalen Kompetenzen werden vorrangig im individuellen Entwicklungsverlauf und unter Berücksichtigung sprachlich-kultureller Faktoren untersucht. Es werden sowohl medizinische als auch kulturnormative Kriterien für die Bestimmung signifikanter Abweichungen von Kompetenzstandards angewandt. Dieser pädagogisch wie medizinisch definierte interventionale Aspekt ist von besonderer Bedeutung für den Forschungsbereich.
Die Schwerpunkte dieses Forschungsbereichs sind:
1. Bedingungen emotionaler Kompetenz
1. Bedingungen emotionaler Kompetenz
Ziel:
Die Voraussetzungen und Mechanismen des Erwerbs und der Weiterentwicklung emotionaler Kompetenzen sollen sowohl empirisch als auch theoretisch erforscht werden.
Die Entwicklung von Emotionsbewusstheit und emotionalem Ausdruckvermögen wird vor allem im Hinblick sprachlich-kognitive Faktoren untersucht. Emotionsregulationsprozesse werden nicht nur aus neuromedizinischer Sicht betrachtet, sondern in einen größeren Kontext sozialer Interaktion gestellt. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Empathie als eine wichtige emotionale Kompetenz ein.
Fragestellungen:
Wie beeinflussen Spracherwerbsprozesse den Entwicklungsprozess emotionaler Kompetenzen? Verändern sich emotionale Kompetenzen über die Lebensspanne? Welchen Einfluss hat Verbalisierung auf die Regulation von Emotionen? Werden emotionale Lernprozesse im Schlaf konsolidiert? Unterscheiden sich Regulationsstrategien in verschiedenen Kulturen? Wie interagieren emotionale Kompetenzen und soziales Normbewusstsein? Wie sind Rolle und Stellenwert neuromedizinischer und pharmakologischer Interventionen für emotionsregulatorische Prozesse einzuschätzen? Lassen sich im Vergleich mit anderen Primaten spezifisch menschliche Kapazitäten der Emotionsregulation bestimmen?
Profil:
Dieser Bereich erforscht (neuro)psychologische und –biologische Mechanismen verschiedener Domänen der emotionalen Kompetenz. Ethnographische, anthropologische, soziologische und literaturwissenschaftliche Expertise bzgl. der kulturellen Faktoren wird einbezogen. Das schließt auch die Reflexion der historischen und kulturellen Relativität von emotionalen Kompetenzen ein.
2. Störungen emotionaler Kompetenz
Ziel:
Die Störungen spezifischer emotionaler Kompetenzen sollen multimethodal untersucht werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Sprache, Gestik und Bewegungsverhalten.
Bei Individuen mit bestimmten Persönlickkeitsmerkmalen wie z.B. Alexithymie oder mit traumatisierenden Erlebnissen, bei Patienten mit Asperger Autismus, einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind Mechanismen der Emotionsregulation, Emotionserkennung und –benennung gestört. Zur Erforschung der Ätiologie dieser Störungen werden klinische, empirische, neurowissenschaftlich-technische sowie standardisierte Interview- und Beobachtungsverfahren eingesetzt.
Fragestellungen:
Erkennen Menschen mit dem Persönlichkeitsmerkmal "Alexithymie" ihre Emotionen nicht oder können sie diese nur nicht benennen? Wie ist das gestische, sprachliche und Bewegungsverhalten alexithymer Personen? Was sind die neurobiologischen Korrelate mangelnder Empathie bei Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung? Wie können Störungen der Interaffektivität bei Patienten mit Asperger Autismus konzeptualisiert werden? Welche Auswirkungen haben frühe traumatische Ereignisse auf Emotionsregulation und -benennung? Welche Wechselwirkungen zwischen sprachlichen und emotionalen Kompetenzen bestehen bei Erwachsenen mit Aphasie und Kindern mit spezifischen Sprachentwicklungstörungen oder solchen mit Asperger Syndrom?
Profil:
Die Analyse verschiedener emotionaler Kompetenzen, besonders der Emotionserkennung und –benennung und des Empathievermögens wird in einem Konsortium von Medizinern, Neurowissenschaftlern, Psychologen und Linguisten untersucht. Die Kombination verschiedener methodischer Ansätze dieser Disziplinen unterscheidet sich deutlich von ähnlich gelagerten Forschungen insbesondere im Bereich der Medizin und ermöglicht eine Erforschung des Zusammenspiels von sprachlichen und psychischen Faktoren bei der Ätiologie der Störungen.
3. Förderungen emotionaler Kompetenz
Ziel:
Die pädagogischen und therapeutischen Bedingungen zur Erhöhung emotionaler Kompetenz werden bestimmt und der Entwicklung entsprechender Interventionsprogramme zugrunde gelegt.
Im Zentrum stehen dabei einerseits empirische Untersuchungen realer Lernsituationen an Schulen und die Entwicklung pädagogische Manuale, die zu einer Einübung emotionaler Kompetenzen beitragen können. Andererseits werden für den klinischen Bereich Therapieprogramme für Störungen emotionaler Kompetenzen entwickelt.
Fragestellungen:
Beeinflusst literarisch stimulierte Sprachkompetenz emotionale Kompetenz? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen fiktional induzierter Imagination und emotionaler Kompetenz bei jüngeren Schulkindern? Wie ist die Wechselwirkung zwischen erzählerisch vermitteltem Verstehen fremder Perspektiven und der Empathiefähigkeit? Welche Faktoren befördern oder beeinträchtigen schulische Interaktionsrituale? Lässt sich über videobasiertes interaktives Stimulusmaterial interaffektives Verhalten von Autisten trainieren?
Profil:
Die interventionalen Optionen individueller Kompetenzsteigerung werden aus den verschiedenen Perspektiven der Anthropologie, der Psychologie, der Linguistik und der psychologischen Medizin in den Blick genommen. Dazu gehören Sprachausbildungsfaktoren, Faktoren kultureller Bildung und psychotherapeutische Behandlungen.


