Die wissenschaftliche Aufmerksamkeit für Verehrung und Bewunderung steht in einem Missverhältnis zu deren Bedeutung in der Wirklichkeit. In religiösen Kontexten, in der Popkultur und in vielen weiteren gesellschaftlich-kulturellen Bereichen spielen die beiden Affekte eine wichtige Rolle; in Psychologie, moderner Ästhetik und Poetik sind sie jedoch unterbehandelt.
Die Nachwuchsforschergruppe widmet sich diesem Desiderat aus Sicht der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, der Psychologie und der Soziologie:
– „Die deutsche Hymne“ (Windrich)
Die Definition der Gattung Hymne ist in der Literaturwissenschaft eine offene Frage. In der Studie wird untersucht, ob es hinlänglich verläßliche Indikatoren für den lyrischen Ausdruck bzw. die literarische Modellierung von Bewunderung und Verehrung gibt und inwieweit diese Affekte ggf. als Kriterien für die gesuchte Definition in Betracht kommen.
–„Die Rolle von Verehrung und Bewunderung bei der Lebensgestaltung“ (Schindler)
Verehrung und Bewunderung werden unter Zuhilfenahme psychologischer Emotionstheorien als Richtungsweiser für die eigene Lebensführung untersucht. Dabei sollen einerseits interindividuelle Unterschiede im Erleben der beiden Emotionen untersucht werden. Andererseits geht es um die Funktion der beiden Affekte für die Bildung von Identität, Zielen und Idealen oder im Hinblick auf das allgemeine Wohlbefinden.
–„Charisma und Sakralisierung“ (Zink)
Aus soziologischer Perspektive soll die Rolle der beiden Emotionen in Bezug auf postmoderne Formen des Sakralen untersucht werden. Ausgangspunkt der Analyse bildet die (kultische) Auseinandersetzung der Rezipienten mit dem verehrten oder bewunderten Objekt und deren Auswirkung auf die individuelle und kollektive Identitätskonstruktion.


