Dass rhetorische Mittel nicht nur affektiv positiv wirken können und genutzt werden, um die Zuhörer zu begeistern, zu gewinnen, zu erfreuen usw., sondern auch um zum Nachdenken zu bringen und emotional aufzuregen, haben bereits die antiken Rhetoriker erkannt.


Als die 'Kunst, gut zu reden' zielt die Rhetorik auf einen Überredungsvorgang, dessen Erfolg an der erwirkten Überredung bzw. Überzeugung (persuasio) bemessen wird. Der Erfolg beruht jedoch oft auf dem Einsatz destruktiver Mittel, die den Gesprächspartner nicht überzeugen, sondern vielmehr intellektuell wie affektiv entsetzen sollen. Die leitende These des Projekts lautet, dass weder in der antiken rhetorischen Theoriebildung noch in der modernen diskurs- und kognitionslinguistischen Forschung bislang die Seite der Verunsicherung des zu überzeugenden Gesprächspartners hinreichend reflektiert und insbesondere auch nicht systematisiert worden ist.


Das Ziel des interdisziplinär angelegten Projektes ist die Analyse und Herausarbeitung von Strategien affektiver Irritation, die bis zur Verstörung führen können, und der damit intendierten Umstimmung. Hierfür verbinden sich Vertreter der Klassischen Philologie, der Sprach- und Literaturwissenschaft, um in wechselseitiger Ergänzung ihrer methodisch unterschiedlichen empirischen, theoretischen und historischen Ansätze die funktionale Seite der 'verunsichernden Rhetorik' möglichst umfassend zu untersuchen.

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Publikationen

Fuhrer, T. (2012, Im Druck). Conversationalist and Consultant: Augustine in Dialogue. Veyyey, M. (Ed.). The Blackwell Companion to Augustine. Oxford: Blackwell.
Damisch, S., Marx, K., Schwarz-Friesel, M. (2011, Im Druck). Persuasive Strategien der affektiven Verunsicherung im aktuellen Diskurs: Ironisieren, kritisieren, beleidigen in öffentlichen Streitgesprächen.. Pohl, I., Ehrhardt, H. (Eds.). Sprache und Emotion in öffentlicher Kommunikation. Frankfurt: Lang.