Im Rahmen dieses Dissertationsprojekts soll untersucht werden, welchen Einfluss die ökonomischen und werttheoretischen Debatten des frühen 17. Jahrhunderts auf die Darstellung und Inszenierung der Affekte in den Dramen William Shakespeares, John Websters und Thomas Middletons zeigen. Diese Fragestellung ergibt sich aus der Beobachtung, dass das Konzept des "Wertes" darin nicht nur als Regulativ sozialer und intersubjektiver Beziehungen fungiert, sondern dass auch einzelne Affekte, wie etwa Stolz, Neid und Bewunderung, als ethische und ökonomische Evaluationsinstanzen inszeniert sind.
Im Zentrum der Untersuchung steht allerdings die "estimatio", die Wertschätzung, welche den cartesianischen Affektkatalog anführt und in welcher sich das psychologische Phantasma artikuliert, dass sowohl Wert als auch Wertlosigkeit nicht nur rational kalkulierbar, sondern ebenso „fühlbar“ sind. Ziel ist es, die spezifische epistemologische Konstellation zu rekonstruieren, aus der das Phantasma dieses "Wertgefühls" hervorgegangen ist und damit nicht nur einen bislang unerforschten Aspekt der frühneuzeitlichen Affekttheorie zu beleuchten, sondern auch die möglichen Ursprünge eines Konzepts offenzulegen, das bis heute sowohl die Alltagssprache als auch die kognitive Emotionspsychologie durchzieht.


