Sprache und Emotion

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Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen ist es, mittels seines Mundes seinen Gedanken Ausdruck verleihen zu können. Ohne unsere Sprache, sowie die Fähigkeit, mittels gesprochenen Worten mit anderen Menschen kommunizieren zu können, ihnen unsere Gedanken, Pläne und Gefühle mitzuteilen, wäre die menschliche Rasse niemals zu dem Punkt gekommen, an dem sie angekommen ist. Besonders die Möglichkeit, unsere Gefühle Anderen mitzuteilen, ermöglich uns das ausgeprägte Sozialleben zu führen, das für unser Seelenleben so wichtig ist.

Das ausgesprochen gute Gefühl

Gefühle empfindet fast jedes Wesen, egal ob Affe, Hund, Wal oder Spatz. Auch das Mitteilen dieser Emotionen beherrscht jede Spezies. Jedoch ist die Übermittlung dieser Emotionen in jedem Fall nur durch Mimik, Gestik und andere Hilfsmittel möglich. Einzig der Mensch verfügt über die Möglichkeit, Gefühle auch deutlich zu artikulieren und auszusprechen. Und durch eben jene sprachliche Mitteilungsform wird das menschliche Seelenleben jenem starken, exzessiv genutzten Wirkmittel, dessen wir uns so gerne bedienen. Das klassische „Ich liebe Dich“ lässt sich auch mit Gesten darstellen, aber ausgesprochen ist dieser Satz von einer weit stärker ausgeprägten Eindruckskraft. Alleine dadurch lässt sich die Macht, die von einer durch Sprache formulierten Gefühlsregung ausgeht, sehr gut beschreiben. Gefühle bestimmen zu einem großen Teil unsere Sprache, man denke nur an Sätze wie „Gut gemacht“, „Du siehst schön aus“ oder „Ich freue mich, hier zu sein“. Jeder dieser Sätze ist direkt ausgesprochenes Gefühl, was alleine dadurch bereits eine große Bedeutung und Macht entstehen lässt. Gefühle und Emotionen werden umso stärker, je direkter sie ausgesprochen werden. Doch lassen auch Andeutungen, versteckte Formulierungen und Verklausulierungen Sätze gefühlsbetont und gleichzeitig stark wirken. Gerade diese Möglichkeit, Gefühle und Emotionen in Worte zu verpacken und sie unserem Gegenüber direkt zu übermitteln, ist eines der stärksten Mittel im sozialen Mit-, Für- und Gegeneinander. Doch unsere Emotionen lassen sich durch unsere Worte nicht nur ausdrücken, sondern auch sehr gut verbergen. So ist das geschickte Verwenden des jeweiligen Gegenteils dessen, was wir eigentlich fühlen, sehr gut geeignet um unsere Gefühlswelt vor Anderen zu verbergen. Ausserdem ist es dadurch ebenfalls möglich vollkommen andere Gefühlszustände anzudeuten als diejenige, die wir tatsächlich fühlen.

Gefühlte Gespräche

Doch nicht nur Sprache ist Ausdrucksmittel für Gefühle, umgekehrt wirken unsere Emotionen auch direkt auf unsere Sprache ein. Jeder Mensch kennt den Satz „Der Ton macht die Musik“. Dieser gilt insbesondere auch für die Art und Weise wie wir miteinander sprechen. Jeder Satz kann unterschiedliche Bedeutungen erlangen, je nachdem wie wir ihn aussprechen. Selbst eigentlich positiv konnotierte Wörter wie „Bitte“ oder „Danke“ erhalten eine negative Note, wenn wir sie mit bestimmten Gefühlen aussprechen. Ein in Frustration ausgesprochenes Danke wirkt oftmals verzweifelt, sarkastisch oder wütend. Dies ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sich Emotionen nicht nur durch Wörter ausgedrückt werden, sondern auch durch Wörter transportiert werden. Hierbei muss auch beachtet werden dass nicht nur der Ton die Musik macht.
Auch auf andere Art und Weise ist es sehr leicht möglich seine Emotionen über seine Sprache nach Außen zu transportieren. Besonders durch die Verwendung gefühlsbezogener und -betonter Wörter wird unser inneres Gefühlsleben sehr leicht für unsere Gesprächspartner und Zuhörer zu erkennen. Beispiele für solche Wörter sind sehr oft Superlativen, wie zum Beispiel „extrem“, „maximal“ oder „meisten“. Durch den Gebrauch dieser Worte werden unsere Sätze bei Weitem ausdrucksstärker und gefühlsbetonter, weshalb sie oftmals von sehr emotional eingestellten Personen gebraucht werden. Auch der Gebrauch von eindeutig gefühlsbezogenen Worten, wie zum Beispiel „gereizt“ oder „ruhig“ lässt Rückschlüsse auf unseren emotionalen Zustand zu.

Zusammengefasst lässt sich sehr einfach sagen, dass Sprache nicht nur Ausdrucksmittel unserer Gefühlswelt ist, sondern auch sehr geeignet ist um unsere Emotionen zu verschleiern. Ein geschickter, kombinierter Einsatz unserer Sprache und unserer Gefühle ist eines der stärksten Werkzeuge, die uns Mutter Natur für unser soziales Leben mitgegeben hat.

Foto: Fotolia_91478125

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